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Haiga-Besprechung


in 92-2026/4

 

 

Himmelsbeben
Wolken teilen sich,
kommen zusammen                                                         Debbie Strange

 

Claudia Brefeld:

Dieses Haiga ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie es sich als Werk nach und nach entfaltet – ohne dass man es jedoch bis ins Letzte erfassen kann. Auf den ersten Blick betrachtet, erschließt sich vielleicht nicht sofort die Verbindung von Haiku und Bild. Wenn man bedenkt, dass „skyquake“ sich mit Himmelsbeben bzw. Himmelsposaunen übersetzen lässt, entsteht jedoch eine Schnittstelle zwischen Haiku und Bild. Himmelsbeben wird als mysteriöses Phänomen beschrieben (ein lauter Knall, der vermutlich aus dem Himmel kommt), welches verschiedene Ursachen zu haben scheint, aber bisher nie wirklich eindeutig erklärt werden konnte. Und die Wolken am Himmel? Bleiben sie unbeeindruckt vom Geschehen (Wolken teilen sich/ kommen zusammen), oder sind sie Teil des Geschehens?
Hier entsteht ein freier Deutungsraum, der nicht zu groß, sondern gerade groß genug ist, um ihn mit eigenen Assoziationen und Vermutungen zu füllen

 

 

 

in 91-2026/3

 

 

Eleonore Nickolay

 

Claudia Brefeld:

Neben den Haiga, in die man ein wenig mit Muße eintauchen muss, um sie nach und nach in ihrer Gesamtheit zu verstehen, gibt es Werke, die sofort intuitiv erfasst werden. Sie setzen spontan Assoziationen in Gang und evozieren Gedanken und Erinnerungen.
Dieses Haiga ist ein schönes Beispiel dafür. Das „wollte … noch“ wird bildlich eindringlich durch die Treppe verstärkt, die den Blick links in das Haiga hineinzieht … und dann unvermittelt endet.